29 Juli, 2010
150 Kilo Gepäck: Im Familien-Kombi schon zuviel? Auf Urlaubsfahrt
mutiert der Pkw zum Packesel. Dabei sind die Grenzen schneller überschritten,
als mancher glaubt.
Wir geben Ihnen gerne folgende Tipps für die richtige
Beladung.
Familienurlaub mit dem eigenen Auto stellt eine echte Versuchung dar. All das,
was wir auf Flugreisen zu Hause lassen müssen, darf mit. Die großen Koffer:
Kein Problem, auch wenn sie mehr als 20 Kilo pro Stück wiegen. Sperriges wie
Kanu oder Surf-Board: Das laden wir kurzerhand aufs Dach und die Räder finden
bequem Platz auf dem Gepäckträger für die Anhängerkupplung. Zu schwer? Ach was,
das Auto fährt es ja. Falsch gedacht.
Wir rechnen gerne vor, wie viel wirklich erlaubt ist.
Die Zulassungsbescheinigung Teil 1, besser unter dem alten
Namen Fahrzeugschein bekannt, sollte eigentlich Klärung schaffen. Zulässiges
Gesamtgewicht minus Leergewicht, in dem bereits 75 Kilogramm für den Fahrer
enthalten sind, ergibt die maximal mögliche Zuladung für Mitfahrer und Gepäck.
150 Kilo Gepäck: im Familien-Kombi schon zuviel?
Demzufolge packt ein typisches Familienauto wie etwa der Passat Variant von
Volkswagen rund 560 Kilo. Das müsste reichen. Doch wer wirklich kräftig
einladen will, sollte vorsorglich einen Blick auf die Bemerkungen und Ausnahmen
im Fahrzeugschein werfen. Dort steht fast immer fürs Leergewicht noch eine
weitaus höhere Zahl: Abhängig von der Ausstattung des Fahrzeugs kann das
Leergewicht eines Passats demzufolge auch 200 Kilo höher liegen. Luxus kostet -
in diesem Falle Zuladung. Von den ehedem 560 kg sind möglicherweise nur noch
360 Kilo übrig. Wenn jetzt zusammen mit dem Fahrer noch drei Erwachsene à 75
Kilogramm verreisen wollen, schlagen die mit 225 Kilo zu Buche. Verbleiben sage
und schreibe noch 135 Kilo Freigepäck für vier Personen - weniger als auf so
manchem Interkontinentalflug selbst in der Economy Class erlaubt sind.
Wir raten daher: Wiegen Sie vor Urlaubsfahrten mit vollem Gepäck erst mal nach,
wie schwer das eigene Auto wirklich ist. Volltanken zu wenigstens 90 Prozent
nicht vergessen, denn auch der Sprit zählt dazu! Nur so lässt sich korrekt
ermitteln, wie viel tatsächlich eingeladen werden darf.
Eine andere Methode als Nachwiegen kennt im Übrigen auch die Polizei nicht,
wenn sie den Verdacht hegt, jemand habe zuviel gepackt. Deshalb vor dem Start
in den Urlaub: Rauf auf die öffentliche Waage, von denen es in jeder Gemeinde
meist wenigstens eine gibt. Adressen übers Internet oder die
Gemeindeverwaltungen. Und dann zählen schlicht die Kilos: Wer als Pkw-Fahrer um
mehr als 20 Prozent überladen haben sollte, kommt nicht mit einem
Verwarnungsgeld davon. Vielmehr sind im aktuellen Katalog Bußgelder ab 95 Euro
mit entsprechenden Punkten in Flensburg vorgesehen.
Dach- und Heckbeladung: ganz eigene Grenzwerte
Es geht freilich nicht nur ums Gesamtgewicht, sondern auch darum, wie viel man
auf den Dachträger oder die Anhängerkupplung respektive die Heckklappe packen
darf, wenn Dachkoffer und Sportgeräte mit auf die Urlaubsreise sollen. Die GTÜ
empfiehlt in diesem Fall vor der Beladung einen Blick in die
Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Gewichtsgrenzen für Dach und Heck finden
sich nämlich nicht, wie vielleicht erhofft, in den Fahrzeugpapieren, sondern in
der Regel nur in der technischen Datensammlung der Betriebsanleitung.
Auch hier gilt. Die Limits liegen oft unter den Erwartungen. Vier Hollandräder
à 20 Kilo packt ein Opel Corsa oder ein VW Golf keinesfalls, denn deren
maximale Dachlast beträgt nur 75 Kilo. Auf die Mercedes A-Klasse dürfen gar nur
50 Kilo rauf. Da sind im Zweifel inklusive des Radträger-Eigengewichts sogar
schon zwei Fahrräder zuviel.
Kein Problem: Was nicht aufs Dach passt, laden wir auf den Radträger für die
Anhängerkupplung beziehungsweise für die Heckklappe. Auch da raten die Experten
der GTÜ zur Vorsicht. Wer seine Räder mittels spezieller Systeme auf der
Anhängerkupplung transportieren will, darf die so genannte Stützlast nicht
überschreiten. Ein typischer Wert, etwa für den Ford Kompakt Van C-Max: 100
Kilogramm. Für den Ford Focus gelten 75 Kilo. Da wird’s zumindest für den
Transport von vier Tourenrädern schwierig. Denn die entsprechenden
Trägersysteme zur Montage auf der Anhängerkupplung wiegen ihrerseits bereits
bis zu 25 Kilo und mehr.
Bleibt als letzte Alternative der Biketransport an der Heckklappe mit auf den
ersten Blick scheinbar unerschöpflichen Zuladungsmöglichkeiten. Was zählt, ist
in diesem Falle das Gewicht, das auf die Hinterachse drückt. Maximal zulässig
im Falle des Passat Variant: knapp 1100 Kilo. Doch sollte man bedenken, dass
darin bereits das auf der Hinterachse lastende Fahrzeugeigengewicht enthalten
ist. Im Ernstfall verkraftet mithin auch die Heckklappe nicht mehr Zuladung als
das Dach oder die Anhängerkupplung.
Fahren mit voller Last: Reifendruck erhöhen
Volle Beladung bedeutet im Übrigen stets auch besonderen Stress für die Reifen.
Dringender Rat: Den Reifenluftdruck
erhöhen! Je nach Antriebskonzept, ob Front-, Heck- oder Allradantrieb empfehlen
die Automobilhersteller bei Ausnützen der zulässigen Zuladung achsweise eine
Druckerhöhung zwischen einem halben und einem ganzen bar, in Einzelfällen sogar
noch mehr. Die entsprechenden Werte finden sich meist in der Tankklappe oder im
Türpfosten auf der Fahrerseite. Beispiel VW Passat Kombi: Im Normalfall werden
für die frontgetriebene Variante bei Serienbereifung vorne und hinten 2,0 bar
empfohlen. Mit fünf Personen und Gepäck sollte man die Reifen vorn auf 2,5 und
hinten sogar auf 3,0 bar aufpumpen. Fahren mit zu wenig Druck ist allemal
schädlich. Das Fahrverhalten wird schwammig, der Kraftstoffverbrauch erhöht sich
unnötig und die Gefahr von Reifenschäden bis hin zu den gefürchteten
Reifenplatzern steigt dramatisch an.